Yungas – 1972
Ich wurde 1962 in Deutschland geboren, verbrachte jedoch die prägenden Jahre meiner Kindheit in Südamerika, La Paz/Bolivien, wo meine Eltern als Entwicklungshelfer tätig waren.

Die frühe Nähe zum Alltag indigener Familien, zur Natur und zu anderen Formen gemeinschaftlichen Lebens prägte meinen Blick auf Klang, Material, Rhythmus und kulturelle Zusammenhänge nachhaltig. Viele Jahre begegnete ich dort Vorstellungen, in denen der Mensch nicht losgelöst von seiner Umgebung gedacht wird, sondern eingebunden in Natur, Beziehungen und Gemeinschaft.
Später begann ich, mich auch intensiver mit Ethnologie, Anthropologie und Musikethnologie zu beschäftigen. Mich interessierte dabei besonders, wie Instrumente entstehen, welche Bedeutung sie innerhalb einer Kultur tragen und wie Klang, Material und Form miteinander verbunden sind.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die Beziehung zwischen Mensch, Material, Klang und kultureller Bedeutung. Musik begreife ich dabei nicht allein als technische oder musikalische Perfektion, sondern als eine Ausdrucksform, in der Rhythmus, Resonanz und Wahrnehmung unmittelbar erfahrbar werden.
Über zwei Jahrzehnte entstanden daraus Trommeln, Flöten und Klangobjekte ebenso wie eigene rhythmische und instrumentale Ausdrucksformen. Handwerk, musikalische Erfahrung und meine Beschäftigung mit kulturellen Zusammenhängen fließen dabei immer wieder ineinander. Heute richtet sich mein Schwerpunkt zunehmend auf die Entwicklung eigener Instrumentenformen, die Rekonstruktion archaischer Klangobjekte aus Naturmaterialien sowie auf mein entstehendes Buchprojekt Der Geist der Trommel™. Darin verdichten sich viele Jahre praktischer Erfahrung, Klang- und Rhythmusforschung und meine Beschäftigung mit den kulturellen, symbolischen und körperlich erfahrbaren Bedeutungsebenen ursprünglicher Instrumente.

