Ich wurde 1962 in Deutschland geboren und verbrachte prägende Jahre meiner Kindheit in La Paz, Bolivien – dank meiner Eltern, die als Entwicklungshelfer tätig waren. Diese Zeit war erfüllt von kultureller Vielfalt, Naturverbundenheit und einer frühen Nähe zu indigenen Lebensweisen. Besonders die Begegnungen mit Familien am Titicacasee und die Zeremonien der Indio-Schamanen haben sich tief in meinem Inneren verankert und meine Sicht auf das Leben nachhaltig animistisch geprägt. Ich betrachte alles Leben – Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine und Orte – als beseelt und Teil eines größeren Zusammenhangs. Trotz einer von Leistungsprinzipien geprägten Erziehung fand ich Halt und Erfüllung in der zweisprachigen Welt meiner zweiten Heimat. Siehe Fotos/Bolivien/Chile/Amazonas
Schon sehr früh zeigte sich bei mir eine ausgeprägte Hyperakusis und Reizüberflutung – so wurde die Nähe zur Natur für mich zu einem Ort der Zuflucht, der Sicherheit und des Trostes.
Beruflicher Wandel
Zurück in Deutschland, begann ich ganz konventionell mit einer Ausbildung im kaufmännischen Bereich eines mittelständischen Industriebetriebs. Nach der Ausbildung war ich mehrere Jahre in einer Anwaltskanzlei tätig, bevor ich immer wieder einige Jahre in der Lohn- und Bilanzbuchhaltung tätig war. Begleitend: drei Zusatzausbildungen an der Kölner Wirtschaftsfachschule mit den Schwerpunkten Informationstechnologie, Organisation und Betriebswirtschaft. Doch in diesem trockenen Berufsbild fehlte mir jegliche kreative Resonanz. Routine und dauerhafte Unterforderung führte zu einem langjährigen, depressiven Erschöpfungszustand. In dieser Phase wurde bei mir eine Autismus-Spektrum-Störung (Asperger-Syndrom) sowie etwas später ADHS diagnostiziert. Diese Erkenntnis war ein Wendepunkt – ein Schlüssel, der mir rückblickend auf mein Leben so vieles erklärte. Mit 42 Jahren verließ ich das konventionelle Berufsleben und öffnete die Tür zu meinem eigentlichen Leben: Musik, Rhythmus, Handwerk und innere Bewegung.
Gruppenarbeit & Instrumentenvielfalt
Von 2009 bis 2015 war ich festes Mitglied zweier afrikanisch inspirierter Trommelgruppen. Dort lernte ich viel über Rhythmus und spielte Djembé, Balafon, Kenkeny, Sabar – und brachte auch meine indianischen Flöten in verschiedene Ensembles ein. In dieser Zeit entdeckte ich meine Instrumentenvielfalt und begann, mich intensiver mit dem Aufbau orientalischer Rhythmen zu beschäftigen. Nach Fortbildungen bei international renommierten Rahmentrommel-Lehrern wie David Kuckhermann, Zohar Fresco, Andrea Piccioni, Murat Koscun und Mohsen Taherzadeh, lernte ich verschiedene Spieltechniken und kam mit der indischen Trommelsprache Solkattu in Kontakt. Diese faszinierte mich durch ihre komplexe Struktur und klangliche Präzision. So wurde die klassische Rahmentrommel nach und nach zu meinem zentralen Instrument. Seit 2010 komponierte ich eigene Stücke und trat gelegentlich bei kleinen Konzerten auf. Siehe Erfahrungen/Perkussion
Kulturelle Tiefe & Frauentrommeln
Parallel begann ich, Kurse und Workshops im Trommel- und Flötenbau zu geben. Durch meine Ausbildung bei den weltweit besten Rahmentrommel-Lehrer*innen erhielt ich nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch tiefe Einblicke in die kulturellen Ursprünge und rituellen Bedeutungen der Trommel. Besonders das Frauentrommeln nach Layne Redmond eröffnete mir eine neue Perspektive: die Erkenntnis, dass die zeremonielle Nutzung der Rahmentrommel durch Frauen bereits weit vor unserer Zeitrechnung in vielen Kulturen verankert war – als Werkzeug für Heilung, Verbindung und spirituelle Praxis.
Heute
In den vergangenen 20 Jahren habe ich regelmäßig zahlreiche Workshops im Trommelbauhandwerk geleitet. Dabei entstanden rund 2000 Trommeln – viele davon in Kursen gemeinsam mit den Teilnehmenden, andere als individuelle Spezialanfertigungen durch mich.
Die Art und Weise, wie ich heute Trommeln baue, ist das Ergebnis von handwerklicher Beständigkeit, gestalterischer Leidenschaft und einem tiefen Verständnis für die rituelle Bedeutung indigener Instrumente. Als neurodivergenter Mensch bringe ich eine besondere Perspektive und spezifische Fähigkeiten in meine Projekte ein. Mein ausgeprägtes Gehör, mein Rhythmusgefühl, meine Multi-Instrumentalität und die Treue zu mir selbst eröffnen mir Zugänge, die sowohl meine musikalische Arbeit als auch mein handwerkliches Schaffen mit Naturinstrumenten immer wieder auf Neue prägen. Oft werde ich gefragt, von wem oder wo ich das Trommelbauen gelernt habe. Mittlerweile antworte ich, dass die Trommel selbst meine Lehrerin war.
2025 habe ich meine Workshop-Tätigkeit im Trommelbau beendet, um mich der Aufnahme meiner Songs und dem Schreiben meines Buches Geist & Magie hinter der Trommel™ – Trommelbau als alchemistischer Prozess™ ganz zu widmen. Darin fließen meine Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten praktischer Arbeit, musikalischer Forschung und persönlicher Entwicklung zusammen. Das Buch beleuchtet die kulturellen, gestalterischen und kosmologischen Dimensionen der Trommel – als Werkzeug, als Medium, als Wesen.
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