Die Entstehung meiner Trommelarbeit
Ganz konventionell habe ich meine berufliche Ausbildung in einer Rechtsanwaltskanzlei absolviert und war danach viele Jahre in der Lohn- und Bilanzbuchhaltung tätig. Ergänzend habe ich drei Zusatzausbildungen an der Kölner Wirtschaftsfachschule abgeschlossen, mit Schwerpunkten in Informationstechnologie, Organisation und Betriebswirtschaft.
Obwohl diese strukturierte Basis mir ein tiefes Verständnis für Ordnung, Systeme und präzises Arbeiten vermittelte, erfüllte mich dieser Beruf nicht. Die ständige Unterforderung und das Fehlen kreativer Resonanz führten über Jahre hinweg zu einem lähmenden Erschöpfungszustand. In dieser Phase wurde bei mir eine Autismus-Spektrum-Störung (Asperger-Syndrom) sowie ADHS diagnostiziert – Diese Erkenntnis war wie ein Schlüssel, die rückblickend vieles erklärte. Meine intensive Wahrnehmung, mein Bedürfnis nach Klarheit, mein inneres Drängen nach Kreativität und Struktur zugleich.
Erst danach begann ich, meiner inneren Bewegung zu folgen und konsequent das umzusetzen, was meiner inneren Natur wirklich entspricht. Meine Arbeit als Musikerin und Trommelbauerin, in der ich Rhythmus, innere Bewegung und Klang in lebendige Form bringe.
2006 baute ich meine erste Trommel bei einem Workshop auf einem Afrikafestival. Damals faszinierte mich vor allem der handwerkliche Aspekt. Danach spielte ich acht Jahre lang in einer afrikanisch inspirierten Trommelgruppe verschiedene Trommeln und Instrumente. Hier entdeckte ich meine Instrumentenvielfalt.
Nebenbei blieb die Musik mein ständiger Begleiter. Im Jahr 2009 erweiterte ich mein Tätigkeitsfeld um den Trommel- und Instrumentenbau – mit dem Schwerpunkt auf Naturinstrumenten. Daraus entstand eine kleine Manufaktur für Trommeln, Ritual-Rasseln und Flöten, ergänzt durch Bauworkshops und Kurse im Rahmentrommelspiel. Parallel dazu begann meine Arbeit im Gruppenrhythmus – insbesondere mit Frauen auf der Powwow-Trommel. Hier entstand ein Raum für kollektive Resonanz, rhythmische Verbindung und tiefes gemeinsames Erleben. So verband sich handwerkliches Tun mit musikalischer Praxis und der Begleitung mit ganz persönlichen Erfahrungsprozessen.
Ich werde oft gefragt, von wem ich das Trommelbauen gelernt habe. Heute sage ich, dass die Trommel selbst meine Lehrerin gewesen sein muss. Denn die besten Referenzen für meine Arbeit sind das Aussehen, der Klang und die Stimme meiner Trommeln. In all den Jahren sind um die 2000 Trommeln entstanden. Die meisten wurden in Workshops von den Teilnehmern selbst gebaut, viele Spezialanfertigungen habe ich eigenhändig hergestellt.
Die Art und Weise, wie ich heute meine Trommeln baue, ist das Ergebnis von Beständigkeit und meiner Faszination für das Handwerk. Dabei war mir immer die künstlerische Gestaltung wichtig. Meine Arbeit ist eine Manifestation jahrelangen Forschens, Lernens und Ausprobierens. Dieses Wissen kombiniere ich mit dem Verständnis für indigene Instrumente und deren rituelle Bedeutung. Gleichzeitig lasse ich mich von den uralten Traditionen unserer Vorfahren und der Natur inspirieren.